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Interne Kommunikation•6. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Serie Interne Kommunikation · Teil 1 von 4

# Digitale Kommunikation: Was verändert sich, wenn wir nicht am selben Ort sind?

Mündlich, per E-Mail, im Chat oder über eine Mitarbeitenden-App: Wir kommunizieren heute auf ganz unterschiedlichen Wegen. Doch ein digitales Gespräch funktioniert nicht gleich wie ein mündliches Gespräch vor Ort. Was geht dabei verloren – und welche neuen Möglichkeiten entstehen?

![Digitale Kommunikation: Was verändert sich, wenn wir nicht am selben Ort sind?](/assets/ik-digitale-kommunikation-DOU0rjQE.jpg)

Wir haben in unserer ersten Serie gesehen, was Kommunikation eigentlich ist, wie Botschaften verstanden werden und weshalb es trotz vermeintlich klarer Aussagen zu Missverständnissen kommen kann. In unserer Serie zu den Grundlagen der Kommunikation haben wir uns dabei unter anderem mit den vier Ebenen einer Nachricht und der Bedeutung von Situation und Kontext beschäftigt.

Nun kommt ein weiterer Faktor dazu: das Medium. Denn ob ich einer Kollegin etwas beim Kaffee erzähle, ihr eine Nachricht schreibe oder eine Information an 300 Mitarbeitende verschicke, macht einen Unterschied. Die Botschaft mag dieselbe sein. Die Art der Kommunikation ist es nicht.

## Nonverbale Informationen gehen verloren

Bei einem Face-to-Face Gespräch vor Ort teilen sich die Gesprächspartner:innen einen gemeinsamen Wahrnehmungsraum. Wir sehen einander, hören den Tonfall, bemerken Pausen, Gesichtsausdrücke oder Gesten. Wir können unmittelbar reagieren, nachfragen oder feststellen, dass unser Gegenüber gerade etwas falsch verstanden hat.

In der digitalen Kommunikation fehlt ein Teil dieser Informationen. Eine schriftliche Nachricht enthält zunächst einmal genau das, was geschrieben wurde. Ein Stirnrunzeln, ein zögerlicher Ton oder ein fragender Blick können nicht einfach mitgelesen werden. Was im persönlichen Gespräch durch den Kontext selbstverständlich ist, muss digital deshalb häufiger ausformuliert werden. Das macht digitale Kommunikation nicht schlechter, aber anders.

Dabei ist digitale Kommunikation erstaunlich vielfältig. Eine E-Mail ist anders als ein Chat. Ein Video-Call anders als ein Beitrag in einer Mitarbeitenden-App. Ein Foto mit kurzer Bildunterschrift wiederum anders als eine ausführliche Anleitung. Das Medium beeinflusst, wie wir kommunizieren.

Ein synchroner Chat - wenn sich also beide Personen gleichzeitig im Chat befinden - kann beispielsweise sehr nah an ein mündliches Gespräch herankommen: kurze Nachrichten, direkte Antworten, spontane Rückfragen. Es können aber auch mehrere Personen gleichzeitig schreiben und verschiedene Themen parallel laufen. Ein klassischer Sprecherwechsel wie im persönlichen Gespräch findet nicht mehr automatisch statt.

Andere digitale Formate sind stärker auf eine einseitige Informationsvermittlung ausgelegt. Ein Beitrag für alle Mitarbeitenden kann gelesen werden, ohne dass die Absenderin oder der Absender dabei ist. Die Reaktion erfolgt vielleicht erst Stunden später – oder überhaupt nicht sichtbar. Das ist asynchrone Kommunikation. Damit verändert sich auch die Verantwortung der Person, die eine Nachricht verfasst.

## Wichtige Informationen digital sichtbar machen

Stell dir vor, eine Führungskraft sagt im Teammeeting: «Ab Montag gilt eine neue Regelung für die Arbeitszeiten.» Im Raum können sofort Fragen folgen: Was bedeutet das konkret? Für wen gilt die Regelung? Warum wurde sie geändert? Was muss ich tun? Schreibt dieselbe Person nur diesen einen Satz in einen digitalen Kanal, bleiben viele dieser Fragen offen. Je weniger gemeinsamer Kontext vorhanden ist, desto mehr muss die Nachricht selbst leisten. Das ist einer der wichtigsten Unterschiede zwischen mündlicher und digitaler Kommunikation: Digital müssen wir häufiger mitdenken, was unser Gegenüber nicht wissen kann.

Gleichzeitig bietet digitale Kommunikation neue Möglichkeiten. Sie kann zeitlich und räumlich unabhängig stattfinden. Eine Information muss nicht genau dann übermittelt werden, wenn alle Mitarbeitenden anwesend sind. Sie kann später gelesen, nochmals nachgeschaut und mit anderen Informationen verknüpft werden. Das ist besonders hilfreich für Unternehmen mit Non-Desk-Worker und hybrid arbeitenden Personen.

Auch die Darstellung einer Botschaft lässt sich gezielt gestalten.

- Eine Überschrift kann die wichtigste Aussage hervorheben.

- Ein Bild kann einen Sachverhalt erklären.

- Bullet-Points können mehrere Informationen übersichtlich ordnen.

- Emojis können – richtig eingesetzt – Tonalität vermitteln.

- Links können direkt zu weiterführenden Informationen führen.

Auf einem digitalen Display passiert also gleichzeitig sehr viel. Genau deshalb kann und sollte die Absenderin oder der Absender beeinflussen, was zuerst wahrgenommen wird und wie eine Information gelesen wird. Digitale Kommunikation ist damit nicht einfach «Kommunikation ohne Gespräch». Sie ist eine eigene Form der Kommunikation mit eigenen Möglichkeiten und Regeln.

## Wie erreicht meine Botschaft die Zielgruppe nachhaltig?

Eine kurzfristige Information für ein dezentrales Team kann digital wesentlich schneller alle erreichen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung sollte dauerhaft auffindbar sein. Und eine wichtige Unternehmensinformation muss möglicherweise so aufbereitet werden, dass sie auch Mitarbeitende erreicht, die nicht täglich am Computer arbeiten.

In der Kommunikationswissenschaft wird genau diese Frage unter anderem mit der Media-Richness-Theory beschrieben: Je komplexer eine Aufgabe und je mehr Austausch, Feedback und Kontext notwendig sind, desto wichtiger wird die Art, wie die Botschaft übermittelt wird. Die entscheidende Frage lautet: «Welche Form der Kommunikation passt zu meiner Botschaft, meiner Zielgruppe und meiner Situation?»

Das klingt zunächst banal. Im Arbeitsalltag ist es aber eine der zentralen Fragen guter interner Kommunikation. Denn besonders dann, wenn nicht alle Mitarbeitenden am gleichen Ort arbeiten, kann Kommunikation nicht mehr einfach nebenbei stattfinden. Im nächsten Beitrag schauen wir uns deshalb genau diese Situation an: Wie funktioniert interne Kommunikation, wenn ein Team nicht gemeinsam im Büro sitzt – sondern auf Baustellen, in Filialen, in der Pflege oder im Schichtbetrieb arbeitet?

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